Im Juni 1940, inzwischen hat auch der Krieg gegen Frankreich begonnen, berichtet ein „Kriegsberichter“ in der „Mendener Zeitung“ von der Kriegsfront und versucht, die Sorgen der Mütter und Frauen um ihre Söhne und Männer zu mindern.
Der für die damalige Zeit in Denkweise, Wortwahl und Pathos typische Text steht hier nachfolgend im Original:
Wenn die Feldpost ausbleibt…
Mendener Mütter seid ohne Sorge
Warum Eure Jungen von draußen nicht schreiben? Sie jagen den Feind!
Von Kriegsberichter Frank Goetz
Wieder seid ihr Mütter und Bräute enttäuscht in euer Zimmer gegangen, der Briefträger brachte keinen Feldpostbrief. Wieder habt ihr gebangt und gesorgt: Weshalb schreibt denn unser Soldat nicht? So geht es nun in der letzten Woche Tag für Tag und keiner findet sich, der euch eine beruhigende Antwort gibt. So will ich euch erzählen, wo ich eure Jungen überall antraf, und ihr werdet verstehen, daß jetzt keine Zeit zum Briefeschreiben ist, und ihr werdet gerne noch viele Tage warten, wenn ihr wißt, daß jede freie Minute dem Schlaf und der Ruhe gehört.
Eure Söhne erjagen den Sieg. Tag und Nacht heften sie sich an die Fersen des Feindes, brachen ihren Widerstand, verfolgten im rasenden Tempo den fliehenden Gegner.
„Mendener Zeitung“ vom 11. Juni 1940
Der „Kriegsberichter“ schildert dann die Taten von drei namentlich genannten Jungen und fasst zusammen:
So sind sie alle Tag für Tag, Nacht für Nacht unterwegs. Kilometer auf Kilometer wird in harten Kämpfen dem Feind abgerungen. Ohne Aufenthalt wird er von den deutschen Truppen getrieben. Und Euer Sohn ist auch dabei! Er ist gemeint, wenn man anerkennend und bewundernd vom deutschen Soldaten spricht, er ist gemeint, wenn es im DRV-Bericht heißt: Deutsche Truppen haben bei X den Feind geworfen…: er aber ist es auch, der einmal in der Geschichte der Menschheit genannt ist, wenn man vom deutschen Heldentum spricht.
Und nun ihr Mütter und Bräute, verzaget nicht, wenn ihr wieder keine Nachricht von euren Angehörigen bekommt, ihr wißt sie stehen im endgültigen Kampf um den Sieg. Sie denken täglich an euch, wie sie ja auch täglich für euch wachen und kämpfen. Sie haben einfach keine Zeit zum Schreiben – sie jagen den Feind! Aber gewiß wird er bald Lebenszeichen in den Feldpostkasten stecken.
„Mendener Zeitung“ vom 11. Juni 1940
Tatsache aber ist, dass die Nachricht vom Tod der jungen Männer viele Familien zu Hause erreichte. Denn mittlerweile erschienen auch im Anzeigenteil der „Mendener Zeitung“ Todesanzeigen, die Eltern für ihre im Krieg gefallenen Söhne bekannt geben. Ein Beispiel:
Auf Frankreichs fremder Erde
sank hin dein müdes Haupt zur Ruh
Du gabst dem Vaterland dein Leben
schlaf wohl, du wackrer Streiter du,
geflossen ist dein junges Blut
für uns zu früh, du warst zu gut.Heute erhielten wir die tieferschütternde Nachricht, daß unser lieber, herzensguter, jüngster Sohn, Bruder, Schwager und Onkel,
Gefreiter
Paul BeckerIm blühenden Alter von fast 24 Jahren bei Sedan am 23. Mai für Führer und Vaterland gefallen ist.
Im Namen aller Trauernden:
„Mendener Zeitung“ vom 5. Juni 1940
Familie Julius Becker
Auch in Wimbern trauerte man in fast jedem Haus um einen Angehörigen, der im Krieg gefallen war. So soll die Familie Spiekermann beispielsweise vier Söhne und ein oder zwei Schwiegersöhne in diesem Krieg verloren haben. Ein kaum vorstellbares Leid. In der nachfolgenden Liste der Toten des Zweiten Weltkrieges aus der Festschrift der St. Johannes-Schützenbruderschaft Wimbern taucht der Name Spiekermann allerdings nur einmal auf.
| Name | Geburtstag | Todestag | Alter |
| Heinrich Beringhof | 24.05.1912 | vermisst | |
| Alfred Danne-Rasche | 16.08.1913 | vermisst | |
| Helmut Fildhaut | 01.06.1924 | 17.11.1943 | 19 Jahre |
| Paul Fischer | 24.06.1921 | 14.07.1942 | 21 Jahre |
| Werner Goeke | 05.07.1926 | 17.07.1944 | 18 Jahre |
| Josef Guntermann | 27.01.1904 | Jan. 1943 | 38 Jahre |
| Josef Gurris, Bellingsen | 14.05.1911 | 07.12.1943 | 32 Jahre |
| Peter Gurris | 01.09.1909 | 22.04.1945 | 35 Jahre |
| Theodor Knieper | 28.02.1921 | 04.10.1944 | 23 Jahre |
| Alfons Langes | 28.02.1920 | 03.03.1942 | 22 Jahre |
| Josef Langes | 05.03.1917 | 11.03.1945 | 28 Jahre |
| Wilhelm Osterhaus | 02.05.1920 | 09.01.1941 | 20 Jahre |
| Wilhelm Richter | 01.10.1910 | 31.12.1945 | 35 Jahre |
| Josef Risse | 04.05.1909 | 13.04.1945 | 35 Jahre |
| Franz Schüpstuhl | 21.07.1913 | 12.05.1944 | 30 Jahre |
| Heinrich Schüpstuhl | 03.04.1922 | 21.12.1942 | 20 Jahre |
| Josef Schüpstuhl | 20.03.1911 | 24.06.1941 | 30 Jahre |
| Wilhelm Schüpstuhl | 10.05.1923 | 30.03.1944 | 20 Jahre |
| Wilhelm Schüpstuhl | 06.11.1915 | 02.07.1942 | 26 Jahre |
| Paul Spiekermann | 12.09.1918 | 21.01.1943 | 24 Jahre |
| Wilhelm Voß |