
Die Anfänge des Schulwesens reichen weit in die Geschichte der Menschheit zurück. Insbesondere mit der Erfindung der Hieroglyphenschrift entstanden in Ägypten erste Formen des Schulunterrichts. Auch in der griechisch-römischen Antike entstanden erste Schulen, was allein am lateinischen Wort „schola“ erkennbar ist.
Mit der Entwicklung des Christentums als Staatsreligion im Mittelalter waren bis zur Städteentwicklung im zwölften Jahrhundert Christentum und Bildung untrennbar miteinander verbunden. Demzufolge war die mittelalterliche Schule zunächst ausschließlich die kirchliche Schule. Bereits im Mittelalter entstanden ganze Schullandschaften mit Klosterschulen, Domschulen und Stiftschulen. Der Lehrplan war im Wesentlichen durch den christlichen Glauben geprägt. Körperliche Züchtigung gehörte zum Unterricht. Mit der Entstehung städtischer Schulen kam es zu einer Erweiterung des bis dahin einseitig durch die Kirche dominierten Schulwesens. Neben der Religion wurde jetzt, bedingt durch aufkommenden Handel und Gewerbe, mehr Wert auf berufsspezifisches Wissen gelegt.
Herausragend dabei war der Rechenunterricht, der durch Rechenmeister wie beispielsweise Adam Ries (* 1492 oder 1493, † 1559) auf hohem Niveau gehalten wurde.
Die allgemeine Schulpflicht führte der Preußische Staat am 28. September 1717 für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren ein. Die Eltern mussten ihre Kinder im Winter täglich und im Sommer wegen der Arbeit in der Landwirtschaft zweimal wöchentlich zur Schule schicken.
Schwieriger als in den Städten gestaltete sich die Einrichtung von Schulen auf dem Land. Häufig wurden die Kinder in der Wohnung des Schulmeisters unterrichtet, oder der Lehrer zog von Hof zu Hof, um gegen Kost und Unterkunft die Kinder zu unterrichten. Das fand teilweise auch nur in den Wintermonaten statt, da die Eltern ihre Kinder bei der täglichen Arbeit benötigten.
Die wichtigste Quelle zu einer Schule in Werringsen ist ein Brief vom 3. Juni 1855. In diesem schreibt der Oesberner Gemeindevorsteher Goeke an den Mendener Bürgermeister Alsing, dass die Kapelle in Werringsen in den Jahren zwischen 1690 bis 1699 gebaut worden sei. Aus seinen Angaben geht hervor, dass sie von Mitgliedern der Schulgemeinde Werringsen errichtet wurde. Diese Darstellung ist, was die zeitliche Einordnung betrifft, offenbar falsch. Wörtlich heißt es in dem Brief dort:
Die Kapelle ist von sämmtlichen Gemeinheitsmitgliedern der Schulsocietät Werringsen erbauet und benützt und haben ihr Eigentumsrecht stets dadurch verwahrt und behauptet, indem der zeitige Lehrer in Werringsen verpflichtet ist, jede Leiche, welche im Bereich der Schulsocietät Werringsen stirbt, mit der Kapellenglocke daselbst beläuten muß.
Brief von Oesberns Gemeindevorsteher Goeke an Mendens Bürgermeister Alsing vom 3. Juni 1855
Der Heimatforscher Theo Ostermann aus Werringsen geht davon aus, dass die Kapelle ungefähr im Jahr 1655 gebaut wurde, denn der Mendener Pfarrer Haustaedt ließ im Jahr 1652 die Kapelle in Schwitten errichten. Um den Kirchgängern die weiten Wege zu ersparen, dürfte er den Kapellenbau in Werringsen ebenfalls zügig betrieben haben.Der Bau um 1655 dürfte durchaus realistisch sein.
Somit kann man folglich davon ausgehen, dass im Jahr 1655 eine Schulsozietät Werringsen existierte. Gegründet wurde die Schule übrigens auch von Pfarrer Haustaedt, der sich um die Entwicklung des Schulwesens in Menden hohe Verdienste erwarb. Diese Sozietät war sicherlich für alle umliegenden Dörfer wie Oesbern, Barge und Wimbern zuständig.
Das alte Gebäude, in dem der Pfarrer vor mehr als 350 Jahren eine Schule einrichtete und einen Lehrer einsetzte, steht heute nicht mehr, wohl aber der „Neubau“, zu dessen Errichtung man ungefähr im Jahr 1852 die Steine des „optischen Telegraphen“ vom Nolten-Topp verwandte. Dieses Gebäude diente bis 1938 als Schule. Heute wird es als Wohnhaus genutzt.
Ein Protokoll vom 25. Oktober 1793 gibt uns Einblick in die damalige Schulsituation. Nach der Abdankung des „Herrn Magister Franz Langes“ mussten die Einkünfte des zukünftigen Lehrers neu festgelegt werden. Neben einem Minigehalt erhielt der Lehrer viele Naturalien zum Leben, wie beispielsweise Huderecht und Schweinemast, sowie Holzgeld, Fleisch, Käse und Eierzuwendungen.
Ausnahmen hinsichtlich dieser Zuwendungen gab es beispielsweise bei Todesfällen oder wenn die Kinder im Sommer Kühe hüten mussten und deshalb nur teilweise am Unterricht teilnehmen konnten. Dazu bedurfte es aber einer Bescheinigung vom Pastor. In diesem Protokoll wird Wimbern teilweise noch in der Jahrhunderte alten Schreibweise „Wingberen“ geschrieben.
Unterschrieben haben diese Vereinbarung Bering, Franz Nadermann, Johannes Langes, Peter Coert, Christopfel Schlünder, Gerhardus Schüpstaul, Georg Bilge, Adam Goeke. Einer davon unterzeichnete mit Kreuzen.
Es weisen einige Dokumente darauf hin, dass der Vater von Franz Joseph Syré bereits als Lehrer in Werringsen tätig war. So gibt es eine Eingabe des Herrn Lehrer Syré und dazu ein Schreiben des Bürgermeisters von Menden vom 13. August 1826.
Sein Sohn Franz Joseph Syré wurde am 4. Oktober 1817 in Werringsen geboren. Er studierte am Lehrerseminar in Büren und wurde im Juli 1838 mit einem „ehrenvollen Zeugnisse entlassen“. Von da ab bis zum 1. April 1894 wirkte er als Lehrer in Werringsen. Auf seinem Totenzettel ist zu lesen:
Sein Berufseifer, christlich-frommer Sinn, strenge Gewissenhaftigkeit, Aufrichtigkeit und sein herzliches Wohlwollen gegen alle waren die Grundzüge seines edlen Charakters.
Totenzettel von Franz Joseph Syré aus dem Jahre 1897
Ein besonderes Ereignis fiel in seine 56jährige Lehrerschaft: die von Wimbern beantragte Trennung aus der Schulsozietät Werringsen-Oesbern-Barge-Wimbern. Diese beantragte Wimbern 1847 wegen einer zu hohen Schülerzahl (über 130 Schüler) in einer Klasse.
In einem Brief vom 20. September 1847 wurde Lehrer Syré vom Amtmann Alsig in Menden aufgefordert, eine Liste mit Angaben zu allen Schulkindern zu erstellen, den dazugehörigen Eltern, Wohnort, Straße und Zeitangabe in Minuten zur Länge des Schulwegs. In seiner Antwort vom 22. September 1847 weist Syré diese Aufforderung zurück. Er schreibt, dass diese Auflistung schwierig zu erstellen sei und nach seinem Wissen nicht zu den Aufgaben eines Lehrers gehöre. Er würde nur auf besondere Verfügung der Schulbehörde aktiv werden. Syré wurde schließlich im Oktober vom Landrat in Iserlohn damit beauftragt. Nach einigen weiteren Sitzungen des Schulvorstandes wurde am 20. August 1848 der Antrag auf Trennung der Schulsozietät zurückgezogen.
Am 17. November 1849 entschied sich der Schulvorstand für den Bau einer neuen Schule. Das genaue Einweihungsjahr ist nicht bekannt, allerdings lässt sich vermuten, dass die neue Schule ungefähr 1852 eingeweiht wurde. Eine Geometerzeichnung aus dem Jahre 1853 beinhaltet das neue Schulgebäude an der Stelle, an der es heute noch steht, sowie die alte Schule und die Lehrerwohnung (heute Helmig). Diese Karte besagt, dass Heinrich Schulte (Werringsen) den Schulhaus-Bauplatz abgetreten hatte.
Lehrer Syré starb am 18. Mai 1897 in Werringsen. Ihm folgte Franz Keweloh, der am 22. Februar 1872 in Gelsenkirchen geboren wurde. Dieser hatte auch Verbindungen nach Wimbern. Er heiratete Elisabeth Goeke, Tochter von Heinrich Goeke, Wimbern, und Sophia Korte aus Schwitten. Keweloh trat seinen Dienst im Jahre 1894 an.
Am 14. Juni 1892 wurde ein Kaufvertrag zwischen dem Schulvorstand Werringsen und dem Schmiedemeister Franz Schröder, Wimbern, zum Verkauf des
an der Arnsberger-Münsterschen Provinzialstraße gelegenes Grundstück Flur 3 No. 17/4 Gemeinde Wimbern zwecks Errichtung eines Schulhauses nebst Lehrerwohnung
Kaufvertrag vin 14. Juni 1892
geschlossen.
Als Kaufpreis erhielt Franz Schröder pro Morgen 1000 Mark. Das Grundstück war damals rund einen Morgen und 90 Ruthen groß.

Einer der ersten Lehrer war Theodor Voß. Er wurde am 9. April 1876 in Voßwinkel geboren. Seine Tätigkeit als Lehrer begann er in Wimbern. Zwischen 1902 und 1910 war er zudem Rendant der Schützenbruderschaft. 1912 wechselte er von Wimbern nach Süddinker und starb dort am 3. Mai 1918.
Ihm folgte Lehrer Leo Brüser (* 10. Mai 1890), der am 1. April 1912 seinen Dienst antrat. Er war verheiratet mit der Schwester von Vikar Stratmann, dem langjährigen Pfarrvikar in Barge. Ältere Dorfbewohner können sich noch gut an den Lehrer Brüser erinnern – sowohl im guten Sinne, aber auch als strengen, bisweilen bis zur Mißhandlung gehenden Pädagogen.
Am 31. April 1928 wurde auf einer Sitzung des Schulvorstandes entschieden, die evangelischen Schulkinder des Schulverbandes Oesbern/Wimbern herauszunehmen und diese mit den evangelischen Schulkindern des Schulverbandes Böingsen zu einem neuen Gesamtschulverband zusammenzuschließen.

Zwei Beschwerden im Jahre 1935 führten letztendlich zu Brüsers Versetzung. Da war zum ersten der Brief des Wimberner Gemeindeschulzes Franz Schriek an Amtsbürgermeister Friderici:
Nachdem der Schüler Helmut Fildhaut, zum erstenmal nach seiner Mißhandlung, seitens Lehrer Brüsers, die Schule besucht hat, mußte sich der Schüler auf Verlangen des Lehrers entblößen, mit dem Auftrage sich seiner Frau zu zeigen und später den Schulkindern in der Klasse.
Bitte den Herrn Amtsbürgermeister, sich die Beschwerden zur Orientierung, von der hiesigen SA, die zum Sturmbann befördert worden ist und von der politischen Leitung die zur Geschäftsstelle der NSDAP gesandt worden
ist, einzuholen.Wimbern, den 8.4.35
Heil Hitler!
Brief des Wimberner Gemeindeschulzen Schriek an Mendens Amtsbürgermeister Friderici
Der Gemeindeschulze
Schriek
Auch der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB) wandte sich mit einem Brief, datiert vom 26. April 1935, an den Amtsbürgermeister Friderici in Menden. In diesem Schreiben heißt es:
Es ist richtig, daß mir vor über Jahresfrist zwei Beschwerdeschriften über Lehrer Brüser zur Erledigung von der PO der Ortsgruppe Menden übergeben worden sind. Beide Beschwerden sind von mir in Verbindung mit Herrn Schulrat Doh-
mann bearbeitet worden. Die Beschwerdeschriften selbst und meine Stellungnahme dazu sind von mir s.Z. dem stellvertr. Ortsgruppenleiter der NSDAP Menden, dem Pg. Pferdekämper auf der Geschäftsstelle überreicht worden.Eine Beschwerde stammte von dem HJ-Führer Dechene. Brüser hatte der HJ die Schule verboten. Die Schuld lag hier auf beiden Seiten. Allerdings hätte Br. als der ältere und erfahrenere Mann es nicht so weit kommen lassen dürfen.
Die zweite Beschwerde eines SA Mannes (er war z. Zt. Zellenleiter und ist von Beruf Pflasterer) warf Br. Mangel an nat. soz. Gesinnung vor. (Br. sollte den Hitlergruß schneiden – er sollte jegliche Mitarbeit in der NSV ablehnen – insbesondere an den Eintopfsonntagen). Zu diesen Vorwürfen war eine Stellungnahme Br.s dem NSLB gegenüber nicht zu erreichen.
Heil Hitler!
Brief des Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) an Menden Amtsbürgermeister Friderici
Walter Falz
Ortsgruppenamtsleiter des NSLB
Diese und weitere Beschwerden führten dann zur Versetzung Brüsers am 1. Oktober 1937. Er starb am 9. Mai 1967.
Nachdem bereits im Jahre 1906 in Oesbern eine neue Schule erbaut wurde, beschloss der Gesamtschulvorstand auch den Bau einer neuen Schule Barge, die auf dem Grund und Boden der Gemeinde Wimbern errichtet werden und gemeindeübergreifend Kinder aus Werringsen, Barge, Niederbarge und Wimbern aufnehmen sollte. Anlässlich der Grundsteinlegung schrieb die „Mendener Zeitung“ am 12. November 1937:
In schöner Landschaft zwischen Barge und Wimbern, etwa 250 m von dem schmucken Dorfkirchlein entfernt, soll die neue zweiklassige Schule mit Lehrer- und Schulwärterwohnung errichtet werden. Bauherr ist der Schulverband Oesbern-Wimbern.
Am 9. November d. J., 10 Uhr morgens erfolgte im Beisein von Vertretern der Regierung und des Landratsamts, des Amtsbeigeordneten, der Bürgermeister, Gemeinde- und Schulbeiräte der Gemeinden Oesbern und Wimbern, des Ortspfarrvikars, Vertretern der Presse u.a. die Grundsteinlegung.
Tannengrün und Flaggenschmuck umrahmte die Baustelle. Die Schulkinder aus Oesbern, Werringsen und Wimbern standen mit ihren Lehrern in Reih und Glied und warteten mit blanken Augen der Dinge, die da kommen sollten.
Pünktlich trafen trotz des Regens die Gäste ein, freudig begrüßt von dem Vorsitzenden des Schulverbandes, Amtsbürgermeister Friderici.
Er führte aus, daß er mit Absicht die Feier der Grundsteinlegung auf den für die deutschen Menschen so bedeutungsvollen 9. November gelegt habe. Er gab, sich besonders an die Jugend wendend, in kurzen Umrissen eine Schilderung der Vorgänge am 9. November 19231 und gedachte in bewegten Worten der 16 Helden, die für das Dritte Reich ihr Leben ließen. Jetzt gelte es, uns ihrer Opfer dankbar und würdig zu erweisen und das Dritte Reich aufzubauen. Das Fundament sei unsere Jugend. Sie würde die Zukunft Deutschlands gestalten. Voraussetzung für die entsprechende Erziehung sei die Schaffung gesunder Schulverhältnisse und er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es mit Hilfe der Regierung und des Herrn Landrats möglich gemacht worden sei, auch hier in Wimbern eine neue Schule erstellen zu lassen. Er dankte allen, die dazu beigetragen, den Plan zu verwirklichen und sprach den Wunsch aus, daß der Bau rüstig voranschreiten und die Schule alle an sie gestellten Erwartungen erfüllen möge.
Sodann verlas Amtsbürgermeister Friderici die Urkunde. Sie hat folgenden Wortlaut:
„Im vierten Jahre des Dritten Reiches, des Jahres 1937 nach christl. Zeitrechnung unter der Regierung des großen Führers und Reichkanzlers Adolf Hitler wurde, dem Zuge der Zeit folgend, unter der Devise „Ohne gute Schulen keine gesunden Kinder“ die zweiklassige Schule mit Lehrer- und Schulwärterwohnung errichtet.
Der Platz, auf dem der Bau erstellt wird, wurde bei der im Jahre 1930/31 durchgeführten Separation in der Gemeinde Wimbern als Schulland des gesamten Schulverbandes Oesbern-Wimbern ausgewiesen. Am heutigen Tag – an dem vor 14 Jahren 16 Deutsche Freiheitskämpfer der Nationalsozialistischen Bewegung vor der Feldherrnhalle in München durch die Kugeln der Reaktion im treuen Glauben an die Wiederauferstehung ihres Volkes ihr Leben ließen – erfolgte die Grundsteinlegung dieser Schule und gleichzeitig die feierliche Übergabe und Eröffnung der fertiggestellten neuen Schule in Sümmern. Durch den Bau dieser Schule soll die seit dem Jahre 1851 in Werringsen bestehende einklassige Schule aufgehoben werden, um ein Mehrklassensystem einzuführen, wodurch eine bessere Ausbildung der Kinder gewährleistet ist.
Die Baukosten für das Gebäude einschließlich der Herrichtung des Schulplatzes sind auf rund 60000 R. M. veranschlagt. Etwa 80 Prozent der Gesamtkosten sind vom Staate zur Verfügung gestellt worden. Der Bau wird nach dem vom Amtsbauamt in Menden aufgestellten Entwurf unter Leitung des Amtsbaumeisters Wilhelm Heymann und dessen Mitarbeiter Franz Treese aus Menden ausgeführt.
In der neuen Schule werden die Kinder aus Wimbern, Werringsen, Barge und Niederbarge untergebracht, deren Zahl gegenwärtig 76 beträgt. Zur Zeit ist Oberpräsident der Provinz Westfalen Freiherr von Lünink; Regierungspräsident des Regierungsbezirks Arnsberg: Dr. Runte, Landrat des Kreises Iserlohn: von Rumohr, Vorsitzender des Schulverbandes Oesbern-Wimbern: der Amtsbürgermeister in Menden, Arthur Fride-
rici.“Der Urkunde wurden einige Zeitungen beigefügt, die den Geist der neuen Zeit widerspiegeln, insbesondere Berichte über die Verleihung von Wappen an das Amt Menden und seine 7 Gemeinden, sowie über die vom Amtsbürgermeister ausgeführten kommunalpolitischen Tagungen.
Nachdem die Urkunde in einem kupfernen Kasten verschlossen dem Grundstein einverleibt und vermauert worden war, tat Amtsbaumeister Heymann die üblichen 3 Hammerschläge mit dem Spruch: „Richten, Pflanzen, Werden hat seinen Gang bis daß wir sterben“.
Dann nahmen nacheinander das Wort: Regierungsrat Dr. Zacher als Vertreter der Regierung, Dr. Kobelt als Vertreter des Herrn Landrats, Schulrat Daßmann als Vertreter der Lehrerschaft, um innige Anteilnahme an dem vorgenommenen Akt der Grundsteinlegung zu bekunden und der Schulgemeinde Oesbern-Wimbern ihren Glückwunsch auszusprechen.
Die Schulkinder sangen darauf unter Leitung von Lehrer Stude (Oesbern) das Kampflied: Vorwärts, vorwärts, schmettern die hellen Fanfaren… Dann gedachte Amtsbürgermeister Friderici unse-
„Mendener Zeitung“ vom 12. November 1937
res Führers und mit einem Sieg-Heil, sowie dem gemeinsamen Gesang der Nationalhymnen wurde die bedeutungsvolle Handlung beschlossen.
Zum Schulverbund Oesbern-Wimbern gehörten seinerzeit:
- Schulverbundsvorsteher: Amtsbürgermeister Friderici, Menden
- Stellvertreter: Bürgermeister Schulte, Werringsen
- Schulbeiräte: Pfarrvikar Stratmann, Barge; Lehrer Dechene, Nieder-Barge; Franz Bettermann, Nieder-Oesbern; Franz Korte, Wimbern; Bürgermeister Schriek, Wimbern.

Ein Jahr später war es soweit. Unter dem Titel „Feierliche Eröffnung der Dietrich-Eckhard-Schule in Wimbern“ schrieb die „Mendener Zeitung“ am 11. November 1938:
In unmittelbarer Nähe der Ortschaft Barge steht als hervorragende Zierde der schönen Landschaft der schmucke Neubau, zu dem am 9. November vorigen Jahres der Grundstein gelegt worden ist. Das einstöckig gehaltene Gebäude steht in seiner Längsrichtung (es hat eine Länge von 31 m) parallel zu dem Wege der zur Ortschaft Wimbern führt. Der Baustil paßt sich vortrefflich dem ländlichen Charakter der Umgebung an.
Das Gebäude enthält zwei Schulklassen, von denen eine nach Osten und die andere nach Süden gelegen ist, ferner eine Lehrer- und eine Lehrerinnenwohnung, sowie eine Schulwärterwohnung. Im Kellergeschoß befinden sich u.a. die neuzeitlich eingerichteten Abortanlagen für Knaben und Mädchen, gemeinschaftliche Brauseanlagen für die Kinder, sowie Einzelbrausen und Wannenbäder für die Erwachsenen. Außerdem befindet sich im Keller die Zentralheizungs- und Wasserpumpenanlage.
Ein schöner großer Schulhof, umsäumt von gärtnerischen Anlagen, gibt den Kindern Gelegenheit, sich in den Pausen auszutoben.
In dem mit freundlich gemusterten Steinplatten ausgelegten, geräumigen Schulflur befinden sich außer einem schönen Trinkwasserbrunnen, die Garderoben- und Kleidertrocknungsanlagen. Die Böden der Schulzimmer sind mit Buchenparkett belegt. Um die Akkustik vorteilhaft zu unterstützen, wurde eine Holztafeldecke nach niedersächsischer Art eingebaut. Die Schulklassen sind mit neuzeitlichen Bänken, in denen nur 2 Schüler nebeneinandersitzen, und vielseitig verwendbaren Wandklapptafeln ausgestattet. Die Wände selbst sind mit marmorähnlichem Waschputz versehen, so daß ein Beschädigen derselben ausgeschlossen ist.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das Gebäude solide gebaut ist und Einrichtungen enthält, die in eine neuzeitliche Erziehungsstätte gehören, die aber – leider – vornehmlich auf dem Lande nur selten anzutreffen sind.
Am Mittwochnachmittag, genau ein Jahr nach der Grundsteinlegung, fand die feierliche Eröffnung dieser neuen Schule statt. In Reih und Glied standen die Schulkinder mit ihren Lehrern Dechene und Guntermann angetreten, um mit leuchtenden Augen den Ehrengästen einen Willkommensgruß mit einem deutschen Liede zu entbieten. Dann erfolgte die feierliche Schlüsselübergabe von Amtsbaumeister Heymann an den Vorsitzenden des Schulverbandes Oesbern-Wimbern, Amtsbürgermeister Friderici. Dieser gab nach einem kurzen Rundgang durch das Gebäudeeine Schilderung über die Notwendigkeit des Schulneubaus und einen kurzen Rückblick über das Zustandekommen des Bauvorhabens. Er dankte bei dieser Gelegenheit der Regierung in Arnsberg, dem Herrn Landrat und dem Staatshochbauamt in Hagen für ihre tatkräftige Unterstützung. Die Verdienste des Amtsbaumeisters Heymann fanden bei dieser Gelegenheit ebenfalls besondere Anerkennung.
Dann gab er dem Neubau feierlich den Namen
„Dietrich-Eckart-Schule“2
Mit den Wünschen, daß die Kinder im Geiste dieses dichterischen Vorkämpfers für den Nationalsozialismus und treuen Gefolgsmannes Adolf Hitlers zu guten Deutschen herangebildet würden.
Dem ihm überreichten Schlüssel übergab der Amtsbürgermeister weiter an Kreisschulrat Reckert (Iserlohn), der ihn mit Worten des Dankes entgegennahm. Er lobte das vorbildliche Haus der Erziehung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß das Amt Menden den schulischen Belangen so überaus große Aufmerksamkeit widme. Der Jugend vermittelte er dann ein Lebensbild Dietrich Eckarts*, dem Präger des Wortes: „Deutschland erwache“, sie gemahnend, sich das Gedankengut dieses kerndeutschen Mannes als Richtschnur zu eigen zu machen.
Kreisleiter Menze, Landrat v. Rumohr, Regierungsrat Dr. Zacher und Lehrer Guntermann gaben sodann in kurzen Ansprachen ihrer Freude über das gute Gelingen dieses Werkes Ausdruck. Es wurde dabei hervorgehoben, daß eine Schule nie zu gut gebaut werden könnte, da durch sie das ganze deutsche Volk hindurch müßte. Heute gälte das Wort „Schönheit der Arbeit“, hier könnte man sagen: Schönheit der Schulräume“. Ganz besonders wurde von den Rednern der Weihe und des Ernstes des 9. November gedacht. Immer wieder wurde aufs neue zum Ausdruck gebracht, daß der Heldentod dieser 16 deutschen Männer nicht vergeblich gewesen ist, sondern eine neue starke Jugend aus ihrem Blute emporwächst.
Mit einem Gedenken des Führers schloß die eindrucksvolle Weihestunde.
„Mendener Zeitung“ vom 11. November 1938
Als Lehrer standen die Lehrer Josef Guntermann und Caspar Dechene zur Verfügung. Dechene wurde am 3. September 1884 in Aachen geboren. Er setzte seine bisherige Lehrtätigkeit in Werringsen an der Schule Barge fort und starb am 8. Oktober 1940. Lehrer Guntermann wurde als Ersatz für Lehrer Brüser 1937 noch in der alten Schule Wimbern als Lehrer eingesetzt. Er war Lehrer mit Leib und Seele und hatte am Lehrerseminar in Arnsberg studiert. Er war überzeugter Katholik und innerer Widerständler gegen die Nazis. Er wurde mehrfach denunziert, weil er nicht mit „Heil Hitler“ gegrüßt habe. So schrieb der Stützpunktleiter Adolf Bilstein:
Es ist mir mitgeteilt worden, daß Sie nach 5-jähriger Machtergreifung durch die N.S.D.A.P. nicht begriffen haben, wie man als Beamter und Volkserzieher zu grüßen hat. In Zukunft werde ich diesbzl. keine Rücksicht mehr auf Ihre Person nehmen.
Brief von Stützpujnktleiter Bilstein an Lehrer Guntermann

Kurz nach Kriegsausbruch wurde Josef Guntermann tatsächlich zur Wehrmacht eingezogen. Er ist im Jahre 1943 gefallen. Erst 2005 wurde sein Sohn Josef Guntermann durch den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes informiert, dass sein Vater bei Slonowka Bezirk Belgorod/Russland zur letzten Ruhe umgebettet worden sei. Anhand der Erkennungsmarke und dem Geburtsdatum 27. Januar 1904 in Arnsberg konnte sein Vater zweifelsfrei identifiziert werden.
In den Kriegsjahren unterrichteten neben mehreren Aushilfslehrern auch Lehrer Pennekamp sowie später die beliebte Lehrerin Maria Schlomberg. Schlomberg starb nach langer Krankheit am 12. Juni 1962.
Lehrer Hugo Niemierski begann 1948 seine Lehrtätigkeit in Barge. Der den meisten als Hugo bekannte Lehrer wurde am 8. September 1905 in Tiedmannsdorf/Kreis Braunsberg in Ostpreußen geboren. Anfang der zwanziger Jahre absolvierte er sein Lehrerseminar in Braunsberg. Anschließend bekleidete er bis zum Zweiten Weltkrieg zahlreiche Lehrerstellen im Ermland. Nach dem Kriegsdienst sowie der Gefangenschaft bei den Engländern kam er nach Barge.
Schwerpunkt seiner Erziehungsarbeit war neben den Fächern Deutsch und Geschichte besonders das Fach Mathematik. Fast alle seine ehemaligen Schülerinnen und Schüler sagen heute:
Streng war er ja, der Hugo! Aber noch viel wichtiger war – Rechnen. Das hat er uns allen beigebracht.
Schüler über ihren ehemaligen Lehrer Niemierski

Hugo Niemierski leitete die Volksschule Barge bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1969. In den letzten gut zehn Jahren wurde er dabei von Lehrer Theo Göbel aus Schwitten unterstützt.
Niemierski starb am 16. Oktober 1996 und wurde auf dem katholischen Friedhof in Menden beerdigt.
- Am Morgen des 9. November 1923 versuchte Adolf Hitler mit einem Marsch auf die Münchner Feldherrnhalle zum ersten Mal, politische Macht zu erlangen und die Staatsgewalt an sich zu reißen. Sein Putschversuch wurde blutig niedergeschlagen Der Aufstand endete im Kugelhagel der Polizei. Vierzehn Aufständische und zwei Polizisten wurden getötet. Hitler entkam leicht verletzt, wurde aber am 11. November festgenommen. Ende 1924 wurde Hitler vorzeitig aus der Haft entlassen. ↩︎
- Dietrich Eckart (* 23. März 1868, † 26. Dezember 1923) war Schriftsteller, Publizist, Verleger und früher Anhänger des Nationalsozialismus. 21 Jahre älter als Adolf Hitler, gilt er als Mentor und Ideengeber Adolf Hitlers. 1919 Mitbegründer der NSDAP. Eckart nannte 1921 Hitler erstmals „Führer“ und prägte auch den Begriff „Drittes Reich“. Dichter des Sturmliedes der SA, Erfinder des NS-Schlachtrufes „Deutschland erwache!“ ↩︎