
Zur Machtausübung baute die NS-Diktatur einen enormen Propagandaapparat auf. Alle Medien waren gleichgeschaltet und auf die Massenmobilisierung ausgerichtet.
In der Zeit der Nazi-Diktatur wurde der Rundfunk das Propaganda-Instrument schlechthin.
Um die Rundfunkpropaganda flächendeckend einsetzen zu können, bauten die Nazis die Sende- und Empfangsmöglichkeiten aus. 1933 wurde der preiswerte „Volksempfänger“ (siehe Abbildung 34) auf den Markt gebracht, der hinter vorgehaltener Hand als „Goebbelsschnauze“ bezeichnet wurde. Nach Meinung des Reichssendeleiters durfte es „nicht einen Volksgenossen geben, der kein Rundfunkgerät besitzt“. Als weiteres Mittel der Beeinflussung wurde der „Gemeinschaftsempfang“ im Betrieb und in Ämtern angeordnet. „So haben gleichzeitig annähernd 90 Prozent der Bevölkerung zum Beispiel Hitler-Reden gemeinsam über den Rundfunk miterlebt“, schreibt Stuiber in seinem Buch „Medien in Deutschland“.
Die Wirkung einer Führerrede – oder besser gesagt, die durch die Propaganda gewünschte Wirkung einer Führerrede im Rundfunk schildert folgender Artikel aus dem Heimatteil der „Mendener Zeitung“:
Der Führer sprach
Wieder einmal stand die Welt am Sonntag im Banne einer Führerrede. Wieder einmal hörten wir durch den Aether die Stimme unseres Führers, richteten uns an ihr auf und schöpften aus ihr Mut und Vertrauen für die Zukunft. Wie fieberten wir der Stunde am Nachmittag entgegen, nachdem der Rundfunk am Morgen fast stündlich die Ankündigung von der Reichstagssitzung durchgegeben hatte. Wir wurden uns bewußt, daß es eine historische Stunde war, eine Stunde, die eine Epoche der Weltgeschichte abschloß und den Anfang zu einer neuen setzte. Um den Lautsprecher standen wir geschart, mit fiebernden Herzen.1 Die Welle des Vertrauens, die durch ganz Deutschland ging, sie erfaßte auch uns und hob uns hinaus über die kleinen Sorgen des Alltags. Höher schlugen unsere Herzen, als wir aus dem Munde des Führers die Worte vernahmen, in denen er seinen Dank abstattete an die Front und an die Heimat. Wir fühlten uns alle miteingeschloßen in diesen Dank. Und das machte uns so froh, so festlich gestimmt. Vor uns stand unsere Verpflichtung in ihrer ganzen Größe und Verantwortung, die Verpflichtung zur Treue und neuen Leistungen. Und auf unseren Lippen formte sich das Gelöbnis auszuharren, komme, was da kommen mag.
Die Führerrede war vorbei. Aber der Nachhall ihrer Worte wirkte fort in uns und in allen deutschen Menschen. Unsere Gedanken waren bei unserem Führer, bei unseren Soldaten, bei unserer Heimat. Mit leuchtenden Augen gingen wir durch den Sonntag. Ueber ihn schwang wie eine Fanfare der Appell des Führers: „Front und Heimat haben nur dem einzigen Gedanken zu gehorchen, nämlich dem des Sieges.
„Mendener Zeitung“ vom 27. April 1942
Die Propaganda über den Rundfunk erreichte selbstverständlich auch den Kreis Iserlohn und damit auch Stadt und Amt Menden mit einer bemerkenswert hohen Rundfunkdichte pro Haushalt. Die „Mendener Zeitung“ vermeldete dazu folgendes:
Rundfunkdichte in unserer Heimat
23198 Rundfunkteilnehmer im Kreis Iserlohn
Rundfunkhören heißt teilnehmen am Zeitgeschehen. Dieses Wort hat heute allergrößte Bedeutung. … Wer keinen Rundfunk hört, ist nur ein halber Mensch. … Nach der Rundfunkdichte kommen also heute (1. April 1940, die Redaktion) auf jeweils 100 Haushaltungen unseres Zählbezirks 70,7 Rundfunkteilnehmer.
„Mendener Zeitung“ vom 6. November 1940
- Erstes Flächenbombardement gegen eine deutsche Stadt (Lübeck). ↩︎