Wimbern – Ein Dorf nimmt neu Gestalt an

Zeichnung eines historischen Bauernhofs.
Im 19. Jahrhundert war das Dorfbild Wimberns durchweg von Fachwerkhäusern geprägt – hier Hof Fildhaut an der Arnsberger Straße.

In den ersten Jahrhunderten seines Bestehens hat sich Wimbern kaum verändert. Die Zahl der Höfe blieb weitestgehend gleich, was mit dem System von Grundherrschaft und Hörigkeit zusammenhing. Die Grundherrschaft duldete keine Teilung der Höfe.

1685 hatte die Bauernschaft folgende Einwohner:

Baumeister, Wwe. Bertinghoff, Billy, Filthoet, Großmann, Wwe. Goecke Gurris, Hellmich, Humpert zum Grebe, Johann zu Bellingsen, Kalthoff, Kleyneher, Rotger Korts, Langscheidt, Nozt, Nefeler, Nadermann, Schlünder zum Grebe, Kaspar Schlünder, Schubstell, Severin und Winhold zu Bellingsen.

„Mendener Zeitung“ vom 7. September 1933

Ferner sind als Beiwohner und Leibzüchter1 angeführt:

Die alte Mutter auf Winholds Hofe, die alte Schlündersche, Agatha bei Nadermann, Agatha bei Hellmich, der alte Goßmann, ein Beiwohner auf Humperts Hof, der alte Korts, Rademacher, der alte Hane Witwer, Eickhoffs alte Mutter, die alte Schricksche Ww., ein Beiwohner bei Schulte zu Werringsen, Peter Kirchhoff Weber, der alte Brockhewer.

„Mendener Zeitung“ vom 7. September 1933

Einen Tag später beschäftigt sich die „Mendener Zeitung“ dann mit der weiteren Einwohnerentwicklung Wimberns:

1717 waren die Besitzer noch alle vertreten, hinzugekommen ist Joachim.

1781 sind von den 1685 vertretenen noch alle Familien vorhanden mit Ausnahme von Baumeister, Langscheidt, Nadermann und Winhold zu Bellingsen.

Neu hinzugekommen sind: Adam am Graben und Gerd Nierhoff. Jochim, der 1717 als Joachim auftauchte, ist 1781 auch vertreten.

1781 sind 2 Familien Berieghoff vorhanden, gleichfalls zwei Coerd, zu Wimbern und zu Bellingsen, ferner zwei Familien Humpert.

An Vieh war in 23 Haushaltungen vorhanden: 54 Pferde, 5 Füllen, 156 Kühe, 73 Schweine, 108 Schafe und 6 Ziegen.

„Mendener Zeitung“ vom 8. September 1933

Den größten Besitz von schatzungspflichtigem Vieh hatten dem Bericht zufolge:

  • Beringhoff: sechs Pferde, eine Fülle, 18 Kühe, 10 Schweine und 60 Schafe
  • Schlünder am Graben: fünf Pferde, 16 Kühe, acht Schweine und 30 Schafe
  • Joachim: vier Pferde, zwölf Kühe, acht Schweine, zehn Schafe und eine Ziege
  • Schlünder zu Wimbern: vier Pferde, zehn Kühe, neun Schweine und drei Schafe.
Foto eines heruntergekommenen und teilweise verfallenen Hauses
Das alte Haus Schüpstuhl an der Wiesenstraße – erbaut 1806 – kurz vor dem Abriss im Jahr 1970.

Die über viele Jahrhunderte kaum sichtbaren Veränderungen hinsichtlich der Zahl der Höfe und der Einwohner fanden ihr Ende im 20. Jahrhundert.

Nach der Personenstandsaufnahme vom 10. Oktober 1937 gab es in Wimbern insgesamt 247 Einwohner (zum Vergleich: im Jahr 1927 waren es 226 Einwohner gewesen), von denen 139 männlich und 108 weiblich waren. Sie lebten in 37 Häusern mit zusammen 41 Wohnungen.

Damit war Wimbern innerhalb des Amtes Menden die Gemeinde mit den wenigsten Häusern, Haushaltungen und Einwohnern.

Nachfolgend in tabellarischer Form die Häuser und Haushalte des Amtes Menden im Überblick:

GemeindeHäuserHaushalte
Lendringsen 659 1169
Bösperde 257 498
Halingen 105 131
Oesbern 88 109
Schwitten 152 231
Sümmern 177 257
Wimbern 37 41
gesamt 1475 2436

Interessant ist auch der Vergleich der Einwohnerzahlen. Hieraus ergibt sich, dass mit Ausnahme von Sümmern in allen Gemeinden des Amtes Menden die Bevölkerung zwischen 1927 und 1937 gewachsen ist.

Gemeinde Einwohnerzahl 1927Einwohnerzahl 1937
Lendringsen 44975423
Bösperde 18702125
Halingen 798863
Oesbern 580582
Schwitten 10181090
Sümmern 13011255
Wimbern 226247
gesamt 10.29011.585

Die Einwohnerzahl stieg also in Lendringsen um 20,61 Prozent, in Bösperde um 13,63 Prozent, in Halingen um 8,14 Prozent, in Oesbern um 0,34 Prozent, in Schwitten um 7,07 Prozent und in Wimbern um 9,2 Prozent. In Sümmern ging sie um 3,55 Prozent zurück.

Darüber hinaus war in allen Gemeinden des Amtes das männliche Geschlecht in der Überzahl.

Gemeinde männl. Einwohner 1937weibl. Einwohner 1937
Lendringsen 2843 2580
Bösperde 1116 1009
Halingen 464 399
Oesbern 295 287
Schwitten 557 533
Sümmern 638 617
Wimbern 139 108
gesamt 6052 5533

Ebenso wurde 1937 auch die Größe der einzelnen Gemeinden veröffentlicht.

Gemeinde Fläche
Lendringsen 1492 Hektar
Bösperde 618 Hektar
Halingen 1136 Hektar
Oesbern 1083 Hektar
Schwitten 1237 Hektar
Sümmern 1496 Hektar
Wimbern 555 Hektar
gesamt 7617 Hektar
  1. Eine Leibzucht ist die Verpflichtung, Naturalleistungen wie Wohnung, Nahrungsmittel, Hege und Pflege gegenüber einer Person bis zu deren Ableben zu erbringen, die meist bei Hofübergaben in der Landwirtschaft zwischen Übergeber und Übernehmer vereinbart wird. ↩︎